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Umgang mit Borderlinern: Ein Leitfaden für Betroffene & Angehörige

Autor: Blog-Redaktion, 2. Mai 2024

Die Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) ist ein Thema von großer Bedeutung, insbesondere im Zusammenhang mit Essstörungen. Diese komplexe Störung, die durch emotionale Instabilität und Herausforderungen in zwischenmenschlichen Beziehungen gekennzeichnet ist, betrifft nicht nur die Betroffenen selbst, sondern auch ihre Familien und Freunde. In diesem Beitrag beleuchten wir die Prävalenz, Ursachen, Symptome und den Umgang mit BPS, um Betroffenen und Angehörigen eine Orientierungshilfe zu bieten.

Was ist die Borderline-Persönlichkeitsstörung?

Die Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) ist eine psychische Erkrankung, die sich durch intensive emotionale Instabilität, instabile zwischenmenschliche Beziehungen und ein schwankendes Selbstbild auszeichnet. Menschen mit BPS haben oft Schwierigkeiten, ihre Gefühle zu regulieren, was zu impulsivem Verhalten und zwischenmenschlichen Konflikten führen kann. Die Störung kann das tägliche Leben stark beeinträchtigen und erschwert oft den Umgang mit anderen Menschen und den Aufbau stabiler Beziehungen.

Verbreitung der BPS in Deutschland

Studien zeigen, dass etwa 2-3% der Erwachsenen in Deutschland von der Borderline-Persönlichkeitsstörung betroffen sind, wobei Frauen häufiger diagnostiziert werden als Männer. Diese Geschlechterunterschiede könnten auf verschiedene Faktoren zurückzuführen sein, einschließlich Hilfe-Suchverhalten und diagnostischer Kriterien.

Ursachen von BPS

Die genauen Ursachen der Borderline-Persönlichkeitsstörung sind noch nicht vollständig verstanden, aber es wird angenommen, dass genetische, neurobiologische und Umweltfaktoren eine Rolle spielen. Frühe Traumata und instabile familiäre Bedingungen während der Kindheit werden oft als Risikofaktoren betrachtet.

Symptome von BPS

Die Symptome der Borderline-Persönlichkeitsstörung können vielfältig sein und umfassen emotionale Instabilität, Angst vor dem Verlassenwerden, instabile zwischenmenschliche Beziehungen, impulsives Verhalten, selbstverletzendes Verhalten, ein chronisches Gefühl der Leere und unangemessenen Zorn.

Emotionale Instabilität: Schnelle Stimmungswechsel, die oft als Reaktion auf zwischenmenschliche Stressoren auftreten, sind ein Kernsymptom der BPS.

Angst vor dem Verlassenwerden: Auch wenn es keine reale Bedrohung gibt, können Personen mit BPS extreme Reaktionen zeigen, wenn sie sich verlassen oder isoliert fühlen.

Zwischenmenschliche Probleme: Schwierigkeiten, stabile und gesunde Beziehungen aufrechtzuerhalten, sind typisch, oft wegen intensiver, aber unsteter Beziehungen.

Impulsives Verhalten: Dies kann sich in selbstschädigendem Verhalten wie Drogenmissbrauch, riskantem Fahren oder rücksichtslosem finanziellen Verhalten äußern.

Selbstverletzendes Verhalten: Selbstverletzung, wie Schneiden oder Verbrennen, und Suizidversuche sind bei BPS-Patienten häufig.

Chronisches Gefühl der Leere: Viele Menschen mit BPS berichten von einem anhaltenden Gefühl der Leere und Unzufriedenheit.

Unangemessener Zorn: Personen mit BPS können Schwierigkeiten haben, ihren Ärger zu kontrollieren, was zu heftigen Wutausbrüchen oder anhaltendem Zorn führen kann.

Die Verbindung zwischen BPS und Essstörungen und anderen psychischen Erkrankungen

Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) geht oft mit anderen psychischen Störungen einher, was die Behandlung und den Umgang mit der Erkrankung zusätzlich komplex macht. Häufig auftretende Komorbiditäten bei BPS umfassen affektive Störungen wie Depressionen und bipolare Störungen sowie Angststörungen wie Panikstörung, soziale Angststörung und posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) sowie Essstörungen. Darüber hinaus entwickeln viele Menschen mit BPS Probleme im Zusammenhang mit Substanzmissbrauch, einschließlich Alkohol- und Drogenmissbrauch. Das gleichzeitige Auftreten dieser Komorbiditäten erfordert eine ganzheitliche Behandlung, die auf die individuellen Bedürfnisse und Herausforderungen jedes Patienten eingeht.

Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung neigen dazu, in Stresssituationen dysfunktionale Bewältigungsmechanismen zu entwickeln. Diese können sich in Form von gestörtem Essverhalten manifestieren. Als Folge davon besteht ein erhöhtes Risiko, Essstörungen wie Bulimie nervosa und Anorexia nervosa zu entwickeln. Daher ist es wichtig, neben der Behandlung der BPS auch gezielt auf die Behandlung und Prävention dieser Essstörungen einzugehen.

Unterstützende Kommunikation: Ein Schlüssel zum Erfolg

Im Umgang mit Menschen, die an einer Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) leiden, spielen Aufmerksamkeit, Empathie und klare Grenzen eine entscheidende Rolle. Hier sind einige präzisere und ausführlichere Aspekte, die berücksichtigt werden sollten:

  1. Aufmerksamkeit zeigen: Es ist wichtig, den Betroffenen Ihre volle Aufmerksamkeit zu schenken, wenn sie sich Ihnen gegenüber öffnen oder ihre Gefühle ausdrücken. Das bedeutet, aktiv zuzuhören, Augenkontakt herzustellen und nonverbale Signale wie Nicken zu verwenden, um zu zeigen, dass Sie präsent sind und sie ernst nehmen.
  2. Empathie: Versuchen Sie, sich in die Lage der Person hineinzuversetzen und ihre Gefühle zu verstehen, auch wenn Sie sie vielleicht nicht vollständig nachvollziehen können. Zeigen Sie Mitgefühl und Akzeptanz für ihre Emotionen, auch wenn sie für Sie schwer nachvollziehbar erscheinen mögen.
  3. Vermeidung beschuldigender Kommunikation: Es ist wichtig, beschuldigende oder kritische Äußerungen zu vermeiden, da dies die emotionalen Belastungen für die Person verstärken kann. Statt Schuldzuweisungen zu machen, sollten Sie offen über Ihre eigenen Gefühle und Bedürfnisse sprechen und versuchen, gemeinsam konstruktive Lösungen zu finden.
  4. Klare Grenzen setzen: Setzen Sie klare und eindeutige Grenzen, um gesunde Beziehungen aufrechtzuerhalten und Missverständnisse zu minimieren. Diese Grenzen können beispielsweise Regeln für den Umgang miteinander, Vereinbarungen über Kommunikationsmethoden oder Verhaltensweisen sein, die für beide Seiten akzeptabel sind.
  5. Strukturierte Kommunikation: Strukturieren Sie Gespräche und Interaktionen, um Verwirrung oder Missverständnisse zu vermeiden. Dies kann bedeuten, Gespräche im Voraus zu planen, klare Ziele für das Gespräch zu setzen und sich auf bestimmte Themen oder Probleme zu konzentrieren.

Indem Sie Aufmerksamkeit, Empathie und klare Grenzen im Umgang mit Menschen mit BPS zeigen, können Sie dazu beitragen, eine unterstützende und respektvolle Beziehung aufzubauen, die beiden Seiten zugutekommt.

Umgang mit BPS in verschiedenen Beziehungskontexten

In Partnerschaften, als Elternteil oder im beruflichen Umfeld kann der Umgang mit BPS herausfordernd sein. Klare Kommunikation, Grenzsetzungen und professionelle Beratung sind oft notwendig, um gesunde Beziehungen aufrechtzuerhalten.

BPS in der Partnerschaft

In Partnerschaften kann BPS zu einer Achterbahn der Gefühle führen. Klare Kommunikation, Grenzsetzungen und professionelle Beratung sind oft notwendig, um die Beziehung stabil und gesund zu halten.

BPS als Elternteil

Eltern mit BPS stehen vor besonderen Herausforderungen, da ihre emotionalen Schwankungen auch das Wohlbefinden und die Sicherheit ihrer Kinder beeinflussen können. Unterstützende Therapie und Familienberatung sind wichtige Ressourcen.

BPS im beruflichen Umfeld

Am Arbeitsplatz können Menschen mit BPS von strukturierten Abläufen und einem verständnisvollen Umgang mit ihren emotionalen Bedürfnissen profitieren. Arbeitgeber und Kollegen sollten über Ressourcen wie betriebliche Sozialdienste oder psychologische Unterstützung informiert sein.

Konkrete Hilfe und Unterstützung

Psychotherapie, Selbsthilfegruppen, medikamentöse Behandlung und professionelle Beratung sind wichtige Ressourcen für Menschen mit BPS und ihre Angehörigen. Durch die Nutzung dieser Ressourcen können Betroffene lernen, die Herausforderungen der Störung zu bewältigen und ein erfüllteres Leben zu führen:

  1. Psychotherapie: Eine zentrale Säule in der Behandlung von Borderline-Persönlichkeitsstörung ist die Psychotherapie. Insbesondere die Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT) hat sich als wirksam erwiesen. DBT hilft Betroffenen, bessere Bewältigungsstrategien für starke Emotionen zu entwickeln, selbstschädigendes Verhalten zu reduzieren und effektiver zu kommunizieren. Darüber hinaus gibt es noch weitere Therapieansätze wie die kognitive Verhaltenstherapie (KVT), die Schema-Fokussierte Therapie (SFT), Achtsamkeitsbasierte Therapien wie die Psychodynamische Therapie. Diese therapeutischen Ansätze können individuell angepasst und kombiniert werden.
  2. Selbsthilfegruppen: Selbsthilfegruppen bieten eine wertvolle Plattform für den Austausch von Erfahrungen und gegenseitige Unterstützung. Hier treffen Menschen mit ähnlichen Herausforderungen zusammen, was das Gefühl der Isolation verringern und praktische Tipps für den Umgang mit der Störung im Alltag bieten kann.
  3. Medikamentöse Behandlung: Obwohl es keine spezifischen Medikamente für die Behandlung von Borderline-Persönlichkeitsstörung gibt, können bestimmte Medikamente helfen, die Symptome zu managen. Ärzte können Antidepressiva, Stimmungsstabilisatoren oder atypische Antipsychotika verschreiben, um spezifische Symptome wie Depressionen, Angstzustände oder impulsives Verhalten zu behandeln. Eine sorgfältige ärztliche Überwachung ist hierbei entscheidend.
  4. Professionelle Beratung: Sowohl für Betroffene als auch für ihre Angehörigen kann professionelle Beratung von großem Nutzen sein. Therapeuten können helfen, mit den Herausforderungen der Störung umzugehen, effektive Kommunikationsstrategien zu entwickeln und das Verständnis für die Situation zu verbessern.

Fazit

Der Umgang mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung erfordert Verständnis, Geduld und eine angepasste Unterstützung. Durch die Nutzung verfügbarer Ressourcen und therapeutischer Ansätze können Betroffene und ihre Angehörigen lernen, die Herausforderungen der BSP zu bewältigen.

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